Schweizerischer Reisebüro-Verband setzt am TTW seine Unterschrift unter den „Code of Conduct“
Montreux, 31. Oktober 2008: Die Prozedur war einfach, der Schritt aber war gross. Gestern unterzeichnete der Schweizerische Reisebüro-Verband (SRV) anlässlich der nationalen Tourismusfachmesse Travel Trade Workshop in Montreux den „Code of Conduct zum Schutz der Kinder vor kommerzieller sexueller Ausbeutung im Tourismus“. Mit der Unterschrift unter den weltweit gültigen Verhaltenskodex nimmt der SRV seine rund 900 Mitglieder in die Pflicht, sich am Kampf gegen Kindersextourismus zu beteiligen. Als erste Massnahmen will der Verband seinen Reiseagenturen 100’000 Flyer zur Verfügung stellen, mit denen Kundinnen und Kunden sensibilisiert werden sollen. Ferner wird die Prävention von Kindersextourismus künftig Bestandteil der Nachwuchsschulungen sein. „Wir sind überzeugt davon, unsere Mitglieder motivieren zu können, um bald flächendeckender gegen den Kindersextourismus vorzugehen“, sagte Walter Kunz, Geschäftsführer des SRV bei der Unterzeichnung vor den Medien.
„Wir sind nicht mehr allein. Danke“. Mit diesen Worten sprach Andrea Burgener Woeffray, Präsidentin von Kinderschutz Schweiz und seiner Fachstelle ECPAT Switzerland, dem SRV-Geschäftsführer Walter Kunz, gestern ihre Anerkennung aus. Dafür, dass sich nach fünf wichtigen Schweizer Einzelunterzeichnungen nun der SRV als Verband „zu einem langfristigen Engagement“ verpflichte. Diese trage dazu bei, dass „trotz der immer grösser werdenden Mobilität unserer Gesellschaften, die Würde und der Respekt der Menschen in den Feriendestinationen nicht an Bedeutung verliert.“
Auch Fausta Borsani, Chair der in New York ansässigen internationalen „The Code“-Organisation, welche den Verhaltenskodex trägt, lobte das mutige Engagement des Verbandes. „Es ist schwierig sich offen mit dem Problem Kindersextourismus auseinanderzusetzen“, sagte sie. Der Kampf gegen Kinderprostitution in Tourismusdestinationen gelinge durch die Zusammenarbeit der Industrie mit den lokalen Kinderschutzorganisationen, den Regierungen und der Polizei. „Nur in einer langfristigen Public-Private-Partnership kann dem Kindersextourismus effektiv entgegengetreten werden“, so Borsani. Dem sei man mit der heutigen Unterzeichnung einen grossen Schritt näher gekommen.
Forderungen und Versprechen

Mit der Unterschrift unter das Vertragswerk verpflichtet sich der Verband dazu, eine Verbandsphilosophie gegen Kindersextourismus zu entwickeln. Weiter gilt es, seine Mitglieder zu sensibilisieren, zu schulen sowie auch den kleinsten Unternehmen Hand zu reichen, damit auch diese Teile der „Code“-Forderungen umsetzen können. Das war bislang unmöglich. Auch ist der Verband künftig gehalten Möglichkeiten aufzuzeigen, wie die Prävention von Kindersextourismus gegenüber heimischen Kunden und Kundinnen als auch in den Destinationen vorangetrieben werden kann. Daneben muss der SRV seinerseits der Fachstelle ECPAT Switzerland von Kinderschutz Schweiz jährlich Rechenschaft über seine Aktivitäten in der Präventionsarbeit ablegen. „Es ist ein besonders guter Tag für den SRV“, freute sich Andy Keller, Leiter der SRV-Fachgruppe „Umwelt & Soziales“ trotz des langen Aufgabenkataloges. „Wir werden unser Bestes tun“, sagte er. Aber: „Wir müssen realistisch bleiben. Die Sensibilisierung so vieler Mitglieder als möglich ist für den Anfang schon viel.“
In einem ersten Schritt versprach Keller 100'000 Flyer, welche den Mitgliedern zur Verfügung gestellt werden, um Kundinnen und Kunden zu sensibilisieren. Weiter soll die Prävention von Kindersextourismus künftig in die Nachwuchsschulungen eingehen. Am TTW werde immer wieder deutlich, wie gross das Interesse von jungen Menschen an diesem Thema ist. „Das müssen wir nutzen, denn sie tragen das Engagement zum Schutz der Kinder weiter“, so Keller.
SRV ist die Nummer 848
Mit dem gestrigen Tag haben 848 Firmen und Verbände mit Hauptsitz in 32 Ländern den „Code of Conduct“ unterzeichnet. In der Schweiz setzen den Verhaltenskodex um: die Hotelplan AG (2003), Kuoni (2006), Accor Hotels Switzerland und Globetrotter Travel Services (2007). Schweizerischer Reisebüro-Verband (2008).
Kindersextourismus ist längst kein Randphänomen mehr. Die ILO spricht von 1,8 Millionen Kindern, die jährlich weltweit von kommerzieller sexueller Ausbeutung betroffen sind. Rund 800'000 davon in Thailand, 500’000 in Brasilien. In Bulgarien muss ein Opfer bis zu 6'000 Freier über sich ergehen lassen. Die Langzeitschäden sind für die Kinder enorm. Die Täter kommen meist noch immer ungeschoren davon.
Der „Code of Conduct“ hat sich innert nur zehn Jahren weltweit als das Präventionsinstrument etabliert, um Kindersextourismus vorzubeugen. Auch die United Nations World Tourism Organisation (UNWTO), der United Nations Children’s Fund (UNICEF), die Organization for Security an Cooperation in Europe (OSCE) sowie die Europäische Union (EU) und das Schweizer Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) anerkennen den Code of Conduct als federführend im Kampf gegen dieses Verbrechen.
Bedeutungsvoll: Der 3. Weltkongress gegen sexuelle Ausbeutung
Auf der „Code of Conduct“- Unterzeichnung vom gestrigen Donnerstag durch den SRV liegt in diesem Jahr besonderes Gewicht. Diese steht im Vorfeld des 3. Weltkongresses gegen die sexuelle Ausbeutung von Kindern und Jugendlichen, der von 25.-28. November 2008 in Rio de Janeiro stattfindet und auch für die Schweiz von Bedeutung sein wird. Werden doch in Rio neue Strategien entwickelt, Koalitionen geschmiedet und Verpflichtungen eingegangen, um Kinder und Jugendliche effektiver und effizienter vor Ausbeutung zu schützen.
Neben Ehrengästen wie Königin Silvia von Schweden werden rund 3’000 Staats- und RegierungsvertreterInnen, Delegierte aus der Privatwirtschaft und von Kinderschutzorganisationen, 300 Jugendliche sowie internationale Medienschaffende erwartet. 150 Länder werden in Rio de Janeiro teilnehmen. Darunter auch die Schweiz.
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