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Pattaya - Ein Mahnmal für vernachlässigten Kindesschutz

Der Rundschaubeitrag vom 22. April 2009 dokumentiert das Sexgewerbe in Thailands "grösstem Bordell" Pattaya und legt den Fokus dabei vor allem auch auf den käuflichen Sex mit Minderjährigen. Was halten Sie von diesem Fernsehbeitrag?

Karolina Frischkopf: Der Rundschaubeitrag zeigt ungeschminkt die schreckliche Realität des Kindersextourismus auf - die schamlose Ausbeutung von Kindern durch skrupellose Touristen. UNICEF und ILO gehen von rund 2 Millionen minderjährigen Opfern aus. Um zu verhindern, dass es soweit kommt, ist die Präventionsarbeit der Tourismusbranche mittels des Code of Conduct zum Schutz der Kinder vor sexueller Ausbeutung im Tourismus unabdingbar. Wenn aufgrund bestehender Nachfrage seitens der Touristen der Kindersextourismusmarkt ein lukratives Geschäft für kriminelle Organisationen und Profiteure (korrupte Berhörden, Dienstleister, Hoteliers, etc.) geworden ist, ist es für Präventionsbemühungen zu spät, weil alle am Verkauf von Kindern an Touristen verdienen. Das erschreckendste Negativbeispiel dafür ist Pattaya. Pattaya ist seit Jahren wegen der florierenden Prostitution - Kindersextourismus inklusive - gefragtes Reiseziel. Hier kommen Präventionsbemühungen zu spät, Kindersextourismus ist Vorort nicht nur akzeptiert, sondern „gehört“ zur touristischen Infrastruktur. Dies erklärt leider auch, warum in Pattaya – wie im Rundschaubeitrag ersichtlich -  nicht reagiert wird, wenn Touristen Kinder in der Öffentlichkeit ausbeuten oder sie mit ins Hotel nehmen.

 

Im Beitrag machen Rundschau-Journalisten die Probe aufs Exempel. Sie überprüfen, wie ernst es den Mitarbeitenden in Hotels, die bei Kuoni und Hotelplan unter Vertrag stehen, mit dem Schutz der Kinder ist. Hotelplan und Kuoni haben den Code of Conduct unterzeichnet und sich dem Schutz der Kinder vor sexueller Ausbeutung verpflichtet. Dazu gehört es auch, die Mitarbeitenden in den Destinationen zu sensibilisieren. Wenn nun vermeindliche Freier - wie im Beitrag gesehen - unbehelligt Kinder mit aufs Zimmer nehmen oder diese gar beim Zimmerpersonal buchen können, und dies, obwohl die Mitarbeitenden offenbar geschult wurden, macht ein Instrument wie der Code of Conduct dann überhaupt Sinn oder ist das nicht doch nur eine Alibiübung?

Karolina Frischkopf: Nein, keineswegs. Der Code of Conduct setzt in der Präventionsarbeit an, um die Nachfrage zu senken, damit an Destinationen ein „Markt“ für Kindersextourismus gar nicht erst entsteht. Dabei ist eine wichtige Massnahme, die soziale Kontrolle an der Destination zu vergrössern, indem u.a. lokale Dienstleister wie Hotelmitarbeitende auf die Problematik sensibilisiert werden. In Spots wie Pattaya besteht der "Markt" bereits und die Präventionsarbeit sieht sich vor einem sehr langen und steinigen Weg.

In Schulungen wie sie der Code of Conduct fordert lernen Mitarbeitende, dass Kindersextourismus ein Verbrechen ist und strafrechtlich verfolgt wird, dass kommerziell sexuell ausgebeutete Kinder in ihrer Entwicklung lebenslang geschädigt sind, dass Kindersextourismus ethisch nicht tolerierbar ist, sowie dass es sich eine Reisedestination nicht leisten kann mit Kindersextourismus in Verbindung gebracht zu werden, wenn ihr an Nachhaltigkeit in Attraktivität und Ruf liegt. Sie lernen auch, dass die weltweit über 1000 Touroperators und weitere Tourismusunternehmen, welche den Code of Conduct unterzeichnet haben, Kindersextourismus bekämpfen und von ihren Serviceprovidern vertraglich verlangen, dass Kindersextourismus nicht toleriert wird. Für die Praxis lernen die Mitarbeitenden an den Destinationen auch, wie bei Verdacht vorzugehen ist und wie Kunden und Kundinnen auf die Problematik aufmerksam gemacht werden können.

 

Welche Folgerungen zieht ECPAT Switzerland nun  aus dem Beitrag und welche Forderungen macht die Fachstelle nun gegenüber Kuoni und Hotelplan geltend. Schliesslich haben beide den Vernhaltenskodex unterzeichnet und sich verpflichtet, Hotels, in denen Kindersextourismus ermöglicht oder geduldet wird, aus den Verträgen zu nehmen.

Karolina Frischkopf: Der Rundschaubeitrag hat eindrücklich gezeigt, dass die Präventionsarbeit in Pattaya offensichtlich nichts mehr bringt, weil Kindersextourismus Vorort als normaler Bestandteil des immensen Prostitutionsangebot angesehen wird. Um die Situation für die Kinder in Pattaya zu verbessern bleibt neben konsequenter Polizeiintervention wohl nur noch ein konsequenter Boykott seitens der Reisebranche, um in Pattaya klar zu machen - und so zwar so dass es wirtschaftlich wehtut -, dass diese Art von Tourismusangeboten nicht mehr toleriert werden. Nur so kann der Druck auf die lokalen Behörden entsprechend erhöht werden, damit sie beginnen Kindersextourismus und die daran verdienenden kriminellen Kreise effektiv und nachhaltig zu bekämpfen.

Für die CC-Unterzeichner heisst dies, sich aus der Destination zurückzuziehen oder zumindest noch genauer zu kontrollieren, was ihre lokalen Serviceprovider in Pattaya gegen Kindersextourismus in konkreten Fällen machen und wo dies ungenügend ist - wie in den von der Rundschau besuchten Hotels - diese aus dem Angebot zu streichen.    

 

Was leiten Sie aus dem Beitrag für die Arbeit von ECPAT Switzerland, der Fachstelle gegen Kinderprostitution, Kinderpornografie und Kinderhandel ab?

Karolina Frischkopf: Für uns als Kinderschutzorganisation zeigt das Beispiel Pattaya wie weit es nicht kommen darf, was unbedingt in allen anderen Destinationen mit frühzeitiger und effektiver Präventionsarbeit zu verhindern ist. Pattaya ist zum Mahnmal für einen schrecklich vernachlässigten Kinderschutz geworden. Ein Mahnmal dafür, dass wenn die Gesellschaft sich nicht um ihre schwächsten Mitglieder kümmert, diese schändlich, skrupellos und bis aufs letzte ausgebeutet und verkauft werden – auch von sogenannt durchschnittlichen Touristen (Gelegenheitstäter) aus der Schweiz.

 

 

 

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