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Körperliche Gewalt an Kindern
Körperliche Züchtigung im Namen Gottes?
Die Präsidentin der Stiftung Kinderschutz Schweiz, Nationalrätin Jacqueline Fehr, hat in einer Interpellation an den Bundesrat die Frage aufgeworfen, ob das Buch «Eltern - Hirten des Herzen», welches in gewissen evangelikalen Kreisen zirkuliert, mit der Bundesverfassung und der UNO-Kinderrrechtskonvention vereinbar ist. Denn das Buch lässt aufhorchen, weil es an verschiedenen Stellen
empfiehlt, die Kinder körperlich zu züchtigen. Dazu Jacqueline Fehr:«Das Buch ist eine Anleitung zur systematischen Gewaltanwendung gegen Kinder, es ist ein Plädoyer für eine Erziehung zu Gehorsam und Unterordnung, und es ist im freien Handel erhältlich.»
Physische Gewalt an Kindern
Nachfolgend finden Sie Informationen zum Thema «Physische Gewalt an Kindern». Ausführlicher informiert Sie unsere Broschürenreihe «Gewaltfreie Erziehung».
Ärzte und Ärztinnen sowie Praxisassistentinnen finden spezifischere Informationen zum downloaden in unserem 2011 erschienenen Leitfaden zur Früherkennung von Gewalt an Säuglingen und Kleinkindern und zur Vernachlässigung von Kindern.
Was ist körperliche Gewalt?
Kinder werden geschlagen. Sie erhalten Ohrfeigen, Schläge auf die Hände oder auf den Hintern, sie werden an den Haaren gezogen, mit den Füssen getreten, mit Gürteln, Teppichklopfern, Kleiderbügeln, Schuhen oder Kabeln geschlagen oder werden gezwungen, einzelne Körperteile in eiskaltes oder heisses Wasser zu tauchen. Um Kinder zu bestrafen, finden Eltern offensichtlich unzählige Möglichkeiten körperlicher Gewalt — oftmals steigern sie die Härte ihrer Strafen. So bleibt es selten beim «lediglich feinen Klaps auf den Hintern». Vielmehr steht ein solcher häufig am Anfang einer Kette von immer härteren Strafen — bis zur schweren Misshandlung. Ein weiteres Beispiel körperlicher Gewalt ist das Schütteln von Neugeborenen oder Kleinkindern. Diese massive Form von Gewalt kann gerade bei sehr kleinen Kindern zu bleibenden Schädigungen (Schütteltrauma) oder gar zum Tod führen.
Wer glaubt, körperliche Strafen führten in der Erziehung zum Erfolg, irrt: Vier von fünf Eltern, die körperliche Strafen anwenden, bestätigen, durch diese Strafen das beabsichtigte Ziel nicht zu erreichen. 10 Prozent der befragten Eltern bestätigen, die Situation verschlimmere sich durch Schläge sogar, und nur knapp 10 Prozent sind der Meinung, körperliche Züchtigung diene der Kindererziehung. An einen langfristigen Erfolg glaubt niemand. Wären körperliche (und viele anderen) Strafen so nützlich, wie manche Leute glauben, müssten sie nicht so häufig angewendet werden!
In welchem Umfeld kommt körperliche Gewalt vor?
Grundsätzlich ist niemand davor gefeit, körperliche Gewalt anzuwenden. Beim grossen Ausmass, in dem diese Form von Gewalt angewendet wird, sind Merkmale der Täter und Täterinnen und spezifischer Situationen und Bedingungen kaum aussagekräftig zu erheben. Spezifische Persönlichkeitsmerkmale sind unter diesen Umständen nicht festzustellen. So 'normal' (statistisch gesprochen) Gewalt gegen Kinder ist, so herkömmlich und üblich sind auch die Merkmale und Charaktere jener, die Gewalt anwenden. Als Ursachen der Gewalt müssen immer viele unterschiedliche Faktoren in Betracht gezogen werden. Meist wirken individuelle, familiale, soziale und gesellschaftliche Faktoren zusammen. Wo z.B. persönliche Krisen, Partnerschafts- und Arbeitsplatzprobleme, gesundheitliche, finanzielle, schulische und weitere Schwierigkeiten aufeinander treffen, wo das Angebot an Hilfe und Unterstützung gering ist, wo Gewalt eine hohe Akzeptanz hat usw., dort ist die Gefahr gross, dass Gewalt eher auftritt.
Welche Folgen kann körperliche Gewalt haben?
Schläge und andere Angriffe auf den Körper eines Kindes können zu körperlichen Verletzungen führen, zu Verletzungen der Weichteile, von Knochen und Gelenken oder der Haut. Im Extremfall führen sie zum Tod — insbesondere bei sehr jungen Opfern (Schütteltrauma). Nicht weniger gravierend können die seelischen Verletzungen sein, die durch körperliche Gewalt entstehen. Körperstrafen beeinflussen einerseits die Beziehungen zwischen einem Kind und seinen Eltern und andererseits die Entwicklung der Persönlichkeit eines betroffenen Kindes: Das Vertrauen in die Erziehungsberechtigten wird erschüttert, und das Selbstvertrauen sowie das Selbstwertgefühl eines Kindes leiden empfindlich. Schläge machen Kinder schwach. Geschlagen und angegriffen zu werden, löst viele Gefühle aus: Trotz und Widerstand, Wut, Rachewünsche, aber auch Ohnmacht und Niedergeschlagenheit; geschlagene Kinder ziehen sich oftmals zurück. Wie fühlen Sie sich, wenn Sie geschlagen werden?
