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Kommerzielle sexuelle Ausbeutung von Kindern

Jedes kommerziell ausgebeutete Kind ist eines zu viel

Kommerzielle sexuelle Ausbeutung von Kindern und Jugendlichen (CSEC) ist kein neues Phänomen. In den letzten Jahren allerdings, hat diese Art der Ausbeutung weltweit stark zugenommen. Hintergrund dafür sind eine stetig wachsende Kluft zwischen Arm und Reich, sowie eine fortschreitende Globalisierung, welche es ermöglicht, dass nicht nur Kapital und Waren sondern auch Menschen immer mobiler werden. Auch die finanzielle Attraktivität dürfte das ihre dazu beitragen: Neben dem Drogen- und Waffenhandel sowie anderen Formen des Menschenhandels, ist die kommerzielle sexuelle Ausbeutung von Minderjährigen das lukrativste illegale Geschäft weltweit.

Sexuelle Ausbeutung von Kindern und Jugendlichen umfasst ein breites Feld von sexuellen Handlungen mit Minderjährigen. Hierzu gehören Inzest, Zeigen von Pornographie und/oder Geschlechtsorganen, sexuell motivierte Berührungen bis hin zum Geschlechtsverkehr.

Kommerzielle sexuelle Ausbeutung von Kindern impliziert zur sexuellen Ausbeutung hinzu noch einen Akt der Vermarktung des Kindes – in welcher Form und an wen die Renumeration erfolgt ist hierbei nicht entscheidend.

Arten der kommerziellen sexuellen Ausbeutung

Das UN-Fakultativprotokoll betreffend den Verkauf von Kindern, Kinderprostitution und Kinderpornografie unterscheidet zwischen folgenden Arten der kommerziellen sexuellen Ausbeutung von Kindern (Art. 2):

  • Kinderprostitution bedeutet die Benutzung eines Kindes bei sexuellen Handlungen gegen Bezahlung oder jede Art der Gegenleistung;
  • Kindersextourismus bedeutet die kommerzielle sexuelle Ausbeutung von Kindern und Jugendlichen durch eine erwachsene Person, welche ausserhalb ihres Heimatlandes oder Heimatregion reist.
  • Kinderpornografie bedeutet jede Darstellung eines Kindes, gleichviel durch welches Mittel, bei wirklichen oder simulierten eindeutigen sexuellen Handlungen oder jede Darstellung der Geschlechtsteile eines Kindes zu vorwiegend sexuellen Zwecken;
  • Verkauf von Kindern bedeutet jede Handlung oder jedes Geschäft, mit denen ein Kind gegen Bezahlung oder für eine andere Gegenleistung von einer Person oder Personengruppe an eine andere übergeben wird.

Dabei ist zu beachten, dass gemäss UN-Kinderrechtskonvention als Kinder all unter 18-Jährigen gelten, sofern das nationale Recht die Volljährigkeit nicht früher etabliert (Art. 1).

Die Übergänge zwischen kommerzieller und nicht-kommerzieller sexueller Ausbeutung sind fliessend: Studien zeigen, dass viele der kommerziell sexuell ausgebeuteten Kinder zu Beginn im Familien- und Bekanntenkreis sexuelle Ausbeutung erleiden, bevor sie beispielsweise vom Vater, Onkel oder Freund der Familie zu bezahltem Sex mit fremden Männern gezwungen, für derlei Geschäfte verkauft werden und/oder in die Fänge von Menschenhändlern geraten. Nicht selten werden Mädchen zum Zwecke der Vertuschung auch mit Zuhältern zwangsverheiratet.

Folgen und Schlussfolgerungen

Neben den sozialen Folgen für minderjährige Opfer von kommerzieller sexueller Ausbeutung dürfen die massiven persönlichen Beeinträchtigungen nicht vergessen werden, welche der extreme Eingriff in die persönliche Integrität im jungen Alter verursachen. Körperliche Schäden wie unheilbare Verletzungen, Geschlechtskrankheiten, Risikoschwangerschaften, unkontrollierte Schwangerschaftsabbrüche, erhöhtes Suchtverhalten, Selbsttötungsversuche, Wachstums- und Sexualfunktionsstörungen sind die offensichtlichsten. Psychisch treten oft erhöhte Aggressionsbereitschaft gegen Aussen (z.B. Gewalttätigkeit, Delinquenz) oder Innen (z.B. Sucht, Selbstzerstörung), Depressionen, Angstkrankheiten, Schizofrenien, posttraumatische Belastungsstörungen u.a. auf. 

Kinder vor solcher Tragik und solchem Leidensdruck zu schützen, ist eine in diversen international verbindlichen Verträgen verbriefte Pflicht eines jeden Staates und einer jeden Gesellschaft. Neben diesem zentralen, auf Menschen- und Kinderrechten basierenden Grundsatz gibt es noch einen weiteren Faktor, warum eine Gesellschaft alles Interesse haben muss, dass Kinder in ihr nicht zu Opfern kommerzieller sexueller Ausbeutung gemacht werden. Oben genannte Auswahl von Langzeitfolgen sind nur die Spitze des Eisberges im Vergleich zum an den Opfern verlorenen Potential für die Gemeinschaft, wenn man bedenkt, dass sie in einer wesentlichen Lebensphase daran gehindert werden, sich auf allen Ebenen zu einer gesunden, zufriedenen Persönlichkeit zu entwickeln und alle ihre Talente voll zu entfalten. Zu erheblichen Kosten für Gesundheitswesen, Justizvollzug, Sozialversicherungen etc. kommen noch verminderte Leistungsfähigkeit im Arbeitsalltag hinzu – im Ergebnis ein beträchtlicher volkswirtschaftlicher und gesellschaftsspolitischer Schaden. Effiziente Präventionsmassnahmen kosten die Gesellschaft einen Bruchteil des Langzeitschadens.

Weitere Informationen

Unsere Fachstelle ECPAT Switzerland befasst sich ausschliesslich mit der Prävention von sexueller Ausbeutung von Kinder.