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Risikofaktoren und Folgen

Wenn Kinder leiden

Wie viele Kinder in der Schweiz von Vernachlässigung betroffen sind, lässt sich nur schwer sagen. Einerseits fehlen repräsentative Untersuchungen und andererseits wird die Vernachlässigung von Kindern meistens zusammen mit Kindesmisshandlung erfasst. Dabei wird nicht geprüft, wie viele der von Kindesmisshandlung betroffenen Kinder vernachlässigt wurden. Erschwerend kommt hinzu, dass von einer grossen Dunkelziffer auszugehen ist.

Welche Ursachen hat die Vernachlässigung von Kindern?

Die wenigen Fachbücher und wissenschaftlichen Forschungsergebnisse zum Thema Vernachlässigung weisen darauf hin, dass sich keine eindeutigen Ursachen der Vernachlässigung von Kindern bezeichnen lassen. Vielmehr lässt sich dieses Problem nur durch das Zusammenwirken mehrerer Risikofaktoren erklären:

Risikofaktoren für die Vernachlässigung von Kindern:

  • finanzielle und materielle Situation: Armut, Arbeitslosigkeit, Verschuldung, usw.
  • soziale Situation: Isolation, schwieriges Wohnumfeld, usw.
  • persönliche Situation der Erziehungsperson: Seelische und körperliche überforderung, Isolationstendenz, Suchtprobleme, psychische Krankheiten, usw.
  • Beziehung zwischen Eltern und Kindern: Ablehnung des Kindes, Beziehungsverweigerung, usw.
  • familiäre Situation: Familienkonflikte, Trennung/Scheidung der Eltern, usw.
  • Situation des Kindes: Erhöhte Krankheitsanfälligkeit, Behinderungen, usw.

Das heisst: Je geringer die finanziellen und materiellen Mittel einer Familie sind, je schwieriger das soziale Umfeld, je desorganisierter die Familiensituation, je belasteter die persönliche Situation der erziehenden Eltern und je herausfordernder die Situation und das Verhalten des Kindes sind, desto grösser ist die Wahrscheinlichkeit, dass sich eine Vernachlässigungssituation für das Kind entwickelt. 

Aber: Das Auftreten mehrerer Risikofaktoren hat nicht notwendigerweise Vernachlässigung zur Folge! Wenn sich eine Familie heute in einer andauernden überlastungs- oder in einer Notsituation befindet, muss diese meistens allein von den Betroffenen bewältigt werden. Früher waren viele Familien eingebunden in soziale Netze wie die Nachbarschaft oder die Verwandtschaft, die in solchen Krisen unterstützend helfen konnten.

Welche Folgen kann Vernachlässigung haben?

Welche Symptome ein Kind aufgrund von Vernachlässigung entwickelt und welche Folgen die Vernachlässigung nach sich zieht, hängt von der Art und der Dauer der Vernachlässigung sowie vom Alter und der Person des Kindes ab. Allgemein gilt: Je jünger ein Kind ist, desto grösser sind die bleibenden körperlichen und seelischen Schädigungen. Die Folgen von Vernachlässigung lassen sich in vier Ebenen unterteilen:

  • Körperliche Entwicklung: übergewicht, hohe Krankheitsanfälligkeit, verzögerte motorische Entwicklung, usw.
  • Entwicklung der Wahrnehmung: Verzögerte Sprachentwicklung, Konzentrationsschwierigkeiten, usw.
  • Psychische Entwicklung: Interesselosigkeit, gemindertes Selbstwertgefühl, Depressionen, Ängste, usw.
  • Soziale Entwicklung: Unangepasstes Sozialverhalten, Distanzlosigkeit, Aggressivität, usw.

Wenn die Bedürfnisse eines Kindes auf verschiedenen Ebenen und über längere Zeit hinweg nicht genügend befriedigt werden, ist das Risiko grösser, dass sich Langzeitfolgen entwickeln, die sich bis ins Erwachsenenalter zeigen. Die häufigsten Auswirkungen bei Erwachsenen sind psychische Störungen, Beziehungsprobleme sowie vernachlässigendes Verhalten gegenüber den eigenen Kindern.