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Broschüre «Sexualerziehung bei Kleinkindern und Prävention von sexueller Gewalt»

Bern, 27. Oktober 2009: «Der Umgang mit Sexualität ist auch im Jahr 2009 geprägt von grosser Unsicherheit – besonders wenn es um kindliche Sexualität geht», machte Sexualpädagoge Bruno Wermuth im Rahmen einer Pressekonferenz der Stiftung Kinderschutz Schweiz und der Mütter- und Väterberatung Schweiz in Bern klar.

Die Folge: Kinder, welche die eigenen Neugierde nicht ausleben und damit keine wertvollen Körpererfahrungen machen können, würden in ihrer natürlichen Entwicklung behindert, so der Co-Autor der neuen Broschüre «Sexualerziehung bei Kleinkindern und Prävention von sexueller Gewalt». Die Stiftung Kinderschutz Schweiz und die Mütter- und Väterberatung Schweiz geben diese in der Schweiz erste Broschüre ihrer Art mit dem Ziel heraus, Eltern bereits früh in ihrer Erziehungsaufgabe zu unterstützen. Nicht zuletzt, um Kinder vor sexueller Gewalt zu schützen.

 

Kleinkinder müssen entdecken dürfen

Kinder in ihrem sexuellen Lern- und Entwicklungsprozess zu begleiten ist gewiss nicht einfach. Oft stehen den Eltern dabei Unsicherheiten, Scham, Sprachlosigkeit, Unwissen oder unangenehme Erfahrungen mit der eigenen Aufklärungsgeschichte im Weg. Doch die negativen Signale, die Eltern in den Beispielsituationen aussenden, behindern ihre Kinder dabei, die eigene Neugierde auszuleben. Sie verunmögliche es den Kindern zu lernen, dass ihr Körper etwas Wertvolles, Schützenswertes ist und dass nur sie darüber bestimmen können. Die Kinder lernen nicht, dass mit dem Körper lustvolle Erfahrungen gemacht werden können. Doch genau diese Lernprozesse und Erfahrungen brauchen bereits Kleinkinder. Nicht nur, um im Erwachsenenalter eine natürliche und respektvolle Sexualität leben, sondern ebenso, um sich besser gegen sexuelle Übergriffe wehren zu können.

Eltern brauchen frühe Unterstützung

«Wenn wir Kinder stärken und schützen wollen, dann müssen wir ihre Eltern bei dieser wichtigen Erziehungsaufgabe unterstützen», sagte Jacqueline Fehr, Präsidentin der Stiftung Kinderschutz Schweiz am Dienstag bei der Lancierung der in der Schweiz ersten Broschüre zum Thema «Sexualerziehung bei Kleinkindern und Prävention von sexueller Gewalt». Sie ist überzeugt von der Wichtigkeit des Themas und neue Studien und Berichte geben ihr Recht. Sowohl die aktuelle Durex-Studie als auch der eben erst lancierte Bericht der Eidgenössischen Kommission für Kinder- und Jugendfragen «Jugendsexualität im Wandel der Zeit» verweisen darauf, dass die Gesellschaft, Eltern und Schulen für eine umfassende Sexualerziehung zu sorgen haben, um Jugendliche auf dem Weg zu einer respekt-, lust- und liebevollen Sexualität zu begleiten.

Die Stiftung Kinderschutz Schweiz und die Mütter- und Väterberatung Schweiz setzen jedoch nicht erst in der Schule an. «Sexualerziehung kann nicht früh genug beginnen», betonte Andrea Hauri, Leiterin des Fachbereichs Kindesschutz der Stiftung Kinderschutz Schweiz. So möchte die neue Broschüre bereits Eltern und Erziehende von Kindern zwischen 0 und 6 Jahren stärken und darin unterstützen, sich mit dem Thema Sexualerziehung differenziert zu befassen.

Gratis für Eltern und Fachpersonen

Ursula Dolder von der Mütter- und Väterberatung Schweiz, freut sich besonders über die Publikation, die nicht nur kostenlos über die Mütter- und Väterberatungen der Regionen an Erziehende abgegeben wird, sondern den Beraterinnen auch selber zur Verfügung steht. «Während der Schwangerschaft und Geburt ist Sexualität und Körperlichkeit in der Beratung von Eltern ein wiederkehrendes Thema», so Ursula Dolder. Doch bald nach der Geburt des Kindes werde Sexualität zum Tabu. «Uns ist es wichtig, dass das Thema weiter angesprochen werden kann. Die Broschüre ist ein sehr gutes Instrument dafür».

Altersgerechte Sexualerziehung ist Kindesschutz

Die Broschüre zeigt Zusammenhänge zwischen Sexualerziehung und Kindesschutz vor sexueller Gewalt auf und gibt Eltern sowie anderen Bezugspersonen praxisnahe Informationen, wie sich Kinder psychosexuell entwickeln und welche Rolle dabei den Eltern zukommt. Auch das Reden mit den Kindern über Sexualität, der Umgang mit kindlichen Doktorspielen oder die Frage, was den Kindern zugemutet werden kann und wo die Grenzen liegen, wird praxisnah und anhand von vielen Beispielen behandelt.

Kurzinformation

Broschüre: Sexualerziehung bei Kleinkindern und Prävention von sexueller Gewalt – Eine Broschüre für Eltern und Erziehende von Kindern zwischen 0 und 6 Jahren

Herausgebende: Stiftung Kinderschutz Schweiz / Mütter- und Väterberatung Schweiz

Autorin/Autor: Colette Marti, Psychologin, Stiftung Kinderschutz Schweiz / Bruno Wermuth, Sozial- und Sexualpädagoge

Zielgruppe: Eltern und andere Erziehende von Kindern zwischen 0-6 Jahren, Fachpersonen verschiedenster Berufsgruppen (Früherziehungsbereich)

Sprachen: Vorerst ist die Broschüre nur in Deutsch erhältlich, ab Anfang 2010 auch in Französisch und Italienisch.

Distribution: Privatpersonen können diese in erster Linie bei den Mütter- und Väterberatungen ihrer Region, aber auch bei der Stiftung Kinderschutz Schweiz beziehen. Fachpersonen und -stellen erhalten die Broschüre ausschliesslich über die Stiftung

 

 

AnhangGröße
Information_A_Hauri_Elternbroschuere_271009.pdf22.91 KB
Information_MVB_Schweiz .pdf55.94 KB
Kurzportrait_Kinderschutz_Schweiz.pdf149.44 KB
Praesentation_B_Wermuth_Elternbroschuere_271009.pdf20.96 KB
Praesentation_J_Fehr_Elternbroschuere_271009-1.pdf32.59 KB
Praesentation_U_Dolder_Elternbroschuere_271009.pdf31.96 KB