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Je mehr Macht du in Konfliktsituationen anwendest, desto weniger bleibenden positiven Einfluss hast du!

Konflikte in der Familie können anstrengend und energieraubend sein, dennoch gehören sie zum Leben dazu und oft bieten sie auch Chancen für Veränderungen.

Ein Machtkampf entsteht

In Konfliktsituationen sehen wir uns häufig im Recht und die andere Person in Unrecht. Dadurch verwenden wir viel Energie darauf, die andere Person von unserer Sichtweise zu überzeugen, damit sie endlich ihr Unrecht einsieht. Wenn wir mit dieser Haltung in einen Konflikt gehen, nehmen wir unbewusst an, dass eine Person den Streit 'gewinnt' und die andere ihn 'verliert'. Gehen beide Personen mit dieser Haltung in den Streit, dann führt das zu einem endlosen Machtkampf – bei dem es zwar mal einen 'Waffenstillstand' geben kann, sich jedoch der Konflikt an kleinen Situationen immer wieder entfacht, weil sich beide Personen nicht gehört fühlen.

Wenn Eltern (nicht enden wollende) Konflikte mit ihren Kindern haben, haben sie oft Angst, dass ihre Beziehung zum Kind darunter leiden könnte und versuchen deshalb, Konflikte zu vermeiden. Unterdrücken sie dabei ihre Frustrationen, führt das zu einem inneren Leidensdruck, der dann häufig in einem anderen Konflikt (z.B. mit der Partnerin/dem Partner) abgebaut wird. Daraus kann ein Teufelskreis entstehen.

Aussteigen ohne zu vermeiden – aber wie?

Ohne Streit zu vermeiden oder in einen Machtkampf einzusteigen, können Eltern Konflikte auch entwicklungsfördernd angehen.

Anstatt sich zu fragen «Wer hat Schuld?», «Wer hat Recht?» oder «Was ist richtig und was ist falsch?», können Eltern sich Fragen stellen, mit deren Hilfe sie versuchen zu verstehen:

  • Um was geht es?
  • Wer braucht hier was?
  • Was würde die Situation verbessern?

So können Eltern Konflikte beispielsweise durch die Brille der Entwicklungsaufgaben der Kinder betrachten und versuchen zu verstehen. Das heisst, den Blick etwas zu heben und auf das grosse Ganze zu schauen. Kinder, die in der Autonomiephase oder Phase der Willensbildung stecken, testen – wie der Name schon sagt – gerade ihren eigenen Willen aus. Das wird mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit zu Konflikten führen. Und es ist auch wichtig, denn wir wünschen uns ja auch Kinder, die für sich einstehen können. Oder Jugendliche in der Pubertät haben die wichtige Entwicklungsaufgabe, sich von ihrem Elternhaus zu lösen.  Auch das wird mit hoher Wahrscheinlichkeit zu Meinungsverschiedenheiten führen. Und auch das ist wichtig, denn wir wünschen uns selbstständige junge Erwachsene, die auf ihren eigenen Beinen stehen können.

Kinder sind auch reizbarer, wenn ihnen gerade die 'Nestwärme' (Liebe, Zärtlichkeiten, gemeinsam Zeit verbringen) etwas fehlt und gehen in einem Streit, um in Kontakt zu kommen und auf ihre innere 'Not' aufmerksam zu machen. Hier kann es helfen, wenn sich Eltern mal wieder bewusst Zeit nehmen für ihr Kind.

Wenn sich Eltern diesen 'Sinn' hinter den Streitereien vor Augen führen, fällt es ihnen evtl. leichter, mit diesen (temporären!) Verhaltensweisen gelassener umzugehen. Frei nach dem Motto: Wir können nicht die Umstände kontrollieren, aber wir können uns entscheiden, worauf wir uns konzentrieren und wie wir reagieren wollen.