Kinder im digitalen Raum besser schützen
Kinder und Jugendliche verbringen einen grossen Teil ihrer Zeit auf digitalen Plattformen wie sozialen Netzwerken, Online-Spielen und Suchmaschinen. Doch dort drohen verschiedene Gefahren: von psychischer Belastung durch verstörende Inhalte, sexualisierte Gewalt und manipulative Algorithmen bis zur Gefährdung durch Cybergrooming oder Sextortion. Die Schweiz hinkt in der Regulierung hinterher. Kinderschutz Schweiz fordert, dass der Bundesrat endlich konkrete Massnahmen im geplanten Bundesgesetz über Kommunikationsplattformen und Suchmaschinen (KomPG) verankert – und nicht weiter zögert.
Digitale Gewalt gegen Kinder nimmt dramatisch zu
Die Zahlen sind alarmierend:
- Die Meldungen zu pädokriminellen Inhalten im Internet haben sich 2024 verdreifacht (clickandstop.ch).
- Das Bundesamt für Polizei (fedpol) registrierte 2023 über 14'420 Verdachtsfälle in der Schweiz – doppelt so viele wie 2021.
- Die Schweiz lag 2023 weltweit auf Rang 4 der Länder, die am meisten pädokriminelles Material hosten (Internet Watch Foundation).
- 50% der Schweizer Jugendlichen haben unerwünschte sexuelle Anfragen erhalten (JAMES-Studie).
Diese Entwicklung zeigt: Kinder und Jugendliche sind im digitalen Raum massiv gefährdet. Doch die Schweiz tut wenig. Ein Vorentwurf für eine Regulierung der Kommunikationsplattformen ist seit 2023 angekündigt, lässt aber weiter auf sich warten. Dass das nicht reicht, zeigen mehrere Vorstösse, die zum Ende der Frühjahrssession eingereicht worden sind.
Plattformen müssen Verantwortung übernehmen – Kinderschutz Schweiz fordert:
- Meldepflicht für illegale Inhalte
Plattformen und Hosting-Dienste müssen verdächtige Inhalte aktiv an die Behörden melden und umgehend löschen. - Verpflichtende Risikoanalysen
Plattformen sollen systematisch bewerten, ob ihre Dienste für sexualisierte Gewalt missbraucht werden könnten, und darauf basierend wirksame Schutzmechanismen ergreifen. - Sicherheitsvorgaben nach dem Safety-by-Design-Prinzip
Plattformen müssen Sicherheitsmechanismen bereits in der Entwicklungsphase integrieren (Safety-by-Design). Bestehende Plattformen sind so anzupassen oder weiterzuentwickeln, dass Schutzmechanismen standardmässig voreingestellt sind. - Sanktionen für Verstösse
Fehlende Schutzmechanismen müssen mit klaren Sanktionen belegt werden – beispielsweise durch finanzielle Beiträge fehlbarer Plattformbetreiber an einen Fonds für Präventionsmassnahmen. - Mindestalter 16 für eigene Social-Media-Accounts
Wenn die gegenwärtigen Risiken nicht behoben werden, sollen die Plattformen dazu verpflichtet werden, ein Mindestalter von 16 Jahren einzuführen.
Die Schweiz muss mit internationalen Entwicklungen Schritt halten
In der EU, Grossbritannien und Irland wurden in den letzten Jahren strenge Gesetze zum Schutz von Kindern im digitalen Raum verabschiedet. Die Schweiz darf hier nicht zurückfallen. Als ECPAT Schweiz und Mitglied der WeProtect Global Alliance schliesst sich Kinderschutz Schweiz dieser Forderung nach einer besseren grenzüberschreitenden Regulierung an. Der Bundesrat soll die Plattformen in die Pflicht nehmen, damit diese die Kinder im digitalen Raum besser schützen.
Medienanfragen
Tamara Parham
Bereichsleiterin Kommunikation und Partnerschaften
Telefon +41 31 384 29 19
Mobile +41 76 392 13 27
medien@kinderschutz.ch

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